In den letzten Jahren hat sich Lean Startup als eine Art Best Practice der Gründerszene etabliert. Das von Eric Ries entwickelte Vorgehensmodell basiert vornehmlich auf der Annahme, dass in Zeiten technologiegetriebener Geschäftsmodelle, internationaler Märkte und unvorhersehbarer Wettbewerbsbedingungen der einzige Weg zu einem erfolgreichen Produkt in der marktgetriebenen Entwicklung liegt. In einem permanenter Beschleunigung unterworfenem Zyklus, der durch ständiges Experimentieren, Messen, Entwickeln, Lernen und Optimieren geprägt ist, werden Ideen solange getestet, gebaut, angepasst und verworfen, bis eine im Markt akzeptierte Lösung vorliegt. In der Theorie stehen dabei extrem geringe Investitionen einem rasanten Wachstum gegenüber.

Die Effizienz der Methodik lässt sich anhand vieler schillernder Erfolgsgeschichten eindrucksvoll belegen. Schaut man sich jedoch die Startup-Szene an, so wird schnell deutlich, dass es sich bei den Erfolgsmodellen um absolute Ausnahmen handelt: Verschiedene seriöse und langfristig angelegte Studien belegen, dass über 90 % aller Technologie-Startups scheitern. Die wenigen erfolgreichen Gründungen haben typischerweise drei grundlegende Gemeinsamkeiten: Sie werden von erfahrenen Profis geführt, sie gebieten über ein hochattraktives Produkt, und sie verfügen über genügend Ressourcen, um sich den klimatischen Bedingungen im Markt extrem schnell und flexibel anzupassen. Natürlich gibt es auch hier wieder Ausnahmen, deren Namen jeder hoffnungsvolle „Entrepreneur“ mit ehrfürchtig glänzenden Äuglein herunterbeten kann – aber auch bei ihnen stimmt die Realität häufig nicht mit den Grundannahmen der Lean-Startup-Theorie überein. Denn während sich in den Hinterzimmern der Metropolen Legionen von selbsternannten Growth Hackern abmühen, den einen viralen Treffer zu landen, der ihr Produkt zum Nulltarif zur Umsatzrakete macht, werfen diese Vorzeigeunternehmen unter nicht sinnvoll darstellbaren Risiken mit den Millionenbudgets ihrer Risikokapitalgeber um sich, um rasantes Wachstum zu erzwingen. Getrieben vom Erfolgszwang…

Was auf der Strecke bleibt:
Idee
Vision
Nachhaltigkeit
Menschlichkeit

Deshalb: Savvy